Tipps

Schreibtipps 

Hier stelle ich eine Liste mit wild zusammengeworfenen Wissensschnipseln über das Schreiben ein. Quellenangaben gibt es nicht. Einige Dinge habe ich aus Büchern rausgeschrieben bzw. umformuliert, anderes aus Artikeln, aus Foren-Beiträgen, aus Videos und aus persönlichen Gesprächen. Ich selber habe mir auch Gedanken gemacht und das ein oder andere beigesteuert. Es ist wild, es ist nicht ausführlich, es gibt keine Erklärungen. Denn über das Schreiben kann man wirklich viel erzählen.

Hier ist alles kurz und knapp gehalten. Und das ist auch gut so. Denn diese schlagwortartigen Sätze sollen nur noch einmal das auf den Bildschirm bringen, was man bereits einmal gelesen hat oder was in Vergessenheit geraten ist. Eine Gedächtnisstütze sozusagen. Es mag hier und da etwas konfus sein, auch könnten die ein oder anderen "Schlagsätze" in andere Kategorien passen. Man möge es mir nachsehen.

Auch hören sich manche Aussagen recht dogmatisch und engstirnig an. Ich weiß, dass Regeln da sind, um gebrochen zu werden. So soll auch hier nicht alles eins zu eins übernommen werden. Nicht jeder Schreibtipp ist für jeden hilfreich.

Wenn jemand Fragen dazu hat, so kann er mir gerne eine Email schreiben, in der ich den ein oder anderen Punkt erläutere.

Alternativ biete ich diese Liste als Download an; da bekommt ihr gleich das Textdokument. Schön ordentlich und übersichtlich.

(Auf den Download klicken - 5 Sekunden warten und oben rechts auf "Werbung überspringen" klicken - Dann erscheint ein Fenster, in dessen Mitte grün hinterlegt das Dokument zum Download bereit steht)


Darüberhinaus sind hier noch ein paar interessante Links, wo sich über das Kreative Schreiben geäußert wird:

Nina George mit reichlich Tipps und Erfahrungen über das Schreiben: Klick

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Wichtiges über das Schreiben

(aus diversen Quellen zusammengetragen)

Allgemeines
· Die Stimmung muss durch das geschriebene Wort entstehen, nicht durch die subjektive Betonung beim lauten Lesen.
· Im Mittelpunkt eines spannenden Romans steht eine Hauptfigur, die mit einem Dilemma konfrontiert wird → Das Dilemma weitet sich zu einem Konflikt aus → Der Konflikt verdichtet sich aufgrund einer Reihe von Komplikationen zu einem Höhepunkt → auf dem Höhepunkt wird der Konflikt gelöst
· Jedes verdammte Wort ist wichtig! Das Schreiben ist eine Kunstform; es gilt sich klar und präzise auszudrücken. Werde dir über die Bedeutung der einzelnen Worte klar!
· Schreibe das Unausgesprochene; das, was verschwiegen wird; was sich keiner traut zu sagen.
· Figur, Konflikt und Prämisse sind der Mörtel der Geschichte.

· Im Roman gibt es drei Erzählformen:

1.      Erzählung: Berichtet von Handlungen; zeigen der Entwicklung von Figuren und Vorführung der inneren Konflikte; vorwiegend summarisch.
2.      Szene: Schilderung der Handlung, so wie sie stattfindet
3.      Halbszene: Erzählung unterbrochen und durchsetzt mit szenischer Darstellung

· Man muss alles vermeiden, was den Leser auch nur für einen kurzen Augenblick aus der Geschichte herausreißt. Sobald die Informationsvermittlung in den Vordergrund rückt, setzt das Erleben aus.
· Oberstes Ziel beim Schreiben ist es, die Gefühle des Lesers zu wecken bzw. ein Gefühlserlebnis zu vermitteln.
· Mit dem Geschriebenen gibt der Autor dem Leser das, wonach er sich am meisten sehnt, nämlich ein Erlebnis, das anders und reicher ist als das, was er im Leben täglich über sich ergehen lässt.
· Halte dich mit Symbolen zurück, die nur dem Leser etwas sagen, aber keinen Einfluss auf die Geschichte haben.
· Fast alles, was die Figuren tun, zielt bewusst auf Wirkung ab
· Stelle Geräusche nicht klischeehaft dar, sondern beschreibe sie so, wie man sie tatsächlich hört.
· Benutze kreative Vergleiche und Metaphern. Sie machen eine Geschichte lebendig und zu etwas Besonderem.
· Sei spezifisch, also detailliert.
· Benutze alle Sinne.
· Benutze auch den sechsten Sinn (spüren, dass etwas passiert, dass Unheil aufkommt, etwas nicht richtig ist. Dieses „komische Gefühl im Bauch“ (das sich bewahrheitet)).
· Konzentriere dich bei Beschreibungen auf die signifikantesten Details; lieber eins zu wenig als eins zu viel
· Die Geschichte soll das eigene Erleben des Lesers stimulieren, seine Fantasie beflügeln.
· Betrachte deine Figuren erst aus einer gewissen Entfernung, dann gehe ins Detail
· Finde das einmalige an dir. Finde deine Stimme. Versuche so zu schreiben, wie es kein anderer Mensch auf der Welt tun würde.
· Der erste Satz und die erste Seite entscheiden (fast) immer, ob ein Buch gelesen wird oder nicht.
· Der Leser vertraut darauf, dass der Schreibende sein Bestes gibt.

· Es gibt fünf Erzählperspektiven:

1.      Objektiv: Beschreibung der Handlung, ohne zu wissen, was in den Figuren vor sich geht. Die objektive Erzählperspektive wird verwendet, wenn einer Figur etwas geheimnisvollen gegeben werden soll.
2.      Modifiziert objektiv: Der Erzähler stellt Vermutungen über die inneren Vorgänge der Figuren an.
3.      Subjektiv: Der Ich-Erzähler. Sehr Gefühlsbetont, klare Identifikation mit dem Protagonisten. Probleme: Stures Gefangensein in der Person;
Ich-Erzähler kann die Gefühle der anderen Figuren nur über deren Aussehen und Sprache deuten; Die Geschichte kann durch die häufige Wiederholung von „Ich“ langweilig werden.
4.      Auktorial: Der Erzähler weiß einfach alles, ist in allen Köpfen. Wegen der ständig wechselnden Perspektiven kann sich der Leser nicht mit den Figuren identifizieren. War früher angesagte Schreibform, ist heute nicht mehr zeitgemäß.
5.      Eingeschränkt auktorial: Er-Erzähler. Beschränkung des Auktorialen auf wenige Figuren.

· Häufige Perspektivwechsel sind anmaßend und albern, dienen nur der Selbstdarstellung des Autors.
· Der Leser kann sich am besten mit den Figuren identifizieren, in deren Probleme er sich von Anfang an einfühlen kann.
· Identifikation kommt zustande, wenn der Leser sich Sorgen macht, dass die Figur die richtige Entscheidung trifft.
· Personen werden durch Handlung oder Dialoge charakterisiert. Hüte dich davor, dem Leser zu sagen, wie eine bestimmte Person ist. Lass es ihn sehen!
· Direkte Handlung ersetzt narrative Zusammenfassung und Beschreibung; die Beschreibung ist Teil des Erzählens!
· Bei Beschreibungen ist Zurückhaltung gefordert; bloß nicht den Erzählfluss unterbrechen.
· Eine Information, die nicht von einer Figur der Geschichte, sondern vom Autor selbst zu kommen scheint, ist ein Eindringling von der anderen Seite der Glasscheibe
· Die Figuren machen die Geschichte
· Bemühe dich um das entscheidende Wort oder den entscheidenden Satz, der deine Figur am treffendsten charakterisiert.

Charakterisierung und Figuren

· Es gibt fünf Möglichkeiten, einen Charakter zu beschreiben, und zwar durch:

1.      körperliche Eigenschaften
2.      Die Kleidung oder die Art, wie die Kleidung getragen wird
3.      psychologische Merkmale oder spezielle Angewohnheiten
4.      Handlung
5.      Dialoge
· Zwei besonders schwerwiegende Fehler bei der Charakterisierung der Hauptfiguren:

§  Ein Protagonist, der nicht weiß, was er will
§  Ein Antagonist, der nichts weiter ist als ein ungehobelter Rüpel

· Schwächlinge sind langweilig (bezogen auf Protagonisten)
· Das Außergewöhnliche fällt zuerst ins Auge
· Figuren sollten von einem Pol zum anderen wachsen (Feigling wird mutig; Heiliger wird Sünder etc.)
· Fiktionale Figuren sind NICHT identisch mit Menschen aus Fleisch und Blut
· Die Fiktionale Figur hat von allem mehr: Sie ist kälter, härter, kämpferischer, extrem langweiliger, lustiger, hässlicher etc. als reale Menschen.

· Es gibt zwei Figurentypen im Roman:

1.      Eindimensionale (Nebenfiguren, die für kurze Auftritte gebraucht werden. Haben meist nur einen extremen Charakterzug. Sie können kurz faszinieren, sind aber wieder schnell vergessen.)
2.      Dreidimensionale (Alle Hauptfiguren im Roman sollten 3D sein, komplex und abgerundet)

· Menschen können auch durch Tiere oder Pflanzen oder andere nicht menschliche Dinge  charakterisiert werden (z.B. Der Fuchs (listig), Die Klette (anhänglich), Das Wiesel (flink), der Hai (unbarmherzig) etc.)
· Eine Charakterisierung nach der Temperamentenlehre kann auch interessant sein (Sanguiniker, Phlegmatiker, Melancholiker, Choleriker)

· Was macht eine Figur außergewöhnlich?

1.      Persönlichkeit
§  Ausgeprägte Charakterzüge und Verhaltensweisen
§  Gestik
§  Eigenheiten
§  Gesamtheit der Eigenschaften
2.      Disposition
§  Die Haltung bzw. Einstellung zu anderen (Menschen u. Orten) à die typischen Reaktionen, besonders die Gefühlsreaktionen darauf.
3.      Temperament
§  Wie tritt eine Person auf? Wie denkt sie, wie reagiert sie auf andere Menschen und äußere Umstände?
4.      Individualität
§  Charakteristische Eigenschaften, an denen eine bestimmte Person zu erkennen ist.
§  Spezielle und konkrete Details.
5.      Exzentrität
§  Das ist der Kern einer starken Charakterbeschreibung
§  Eine Art, sich zu kleiden, zu verhalten, zu reden, etc., die stark von der Norm abweicht
§  Gelegentlich auch als „verrückt“ (im wörtlichen Sinne) verstanden


·  Kontrast ist ein starkes Mittel der Charakterisierung
·  Spiel mit den guten und bösen Anteilen im Menschen. Ein Fehler ist es, Figuren ausschließlich gut oder böse sein zu lassen.
·  Hafte deinem Helden Fehler und deinem Schurken Tugenden an.
·  Zeige die Schwachstellen und die Verwundbarkeit bei Personen, die eine gewisse Macht ausüben (werden).
·  Besonderheiten beim Antagonist (kann auch bei anderen verwendet werden)
·  Hat er einen Tick, der die Leute irritiert und den Leser nervös macht?
·  Wie verhält er sich anderen Menschen gegenüber? Ist er höflich, desinteressiert, überheblich, etc.?
·  Tut er etwas ständig, was andere nur gelegentlich machen? Z.B. niesen, husten, sich kratzen, auffällig schwitzen etc.?
·  Wirkt der Antagonist vielleicht durch sein Äußeres schon abstoßend? Schrille Stimme, Gestank, hässlich etc.?
·  Die effizienteste Methode, eine (Neben)Figur zum Leben zu erwecken, besteht darin, einen Punkt hervorzuheben, der die Person vom Rest der Menschheit unterscheidet und im Gedächtnis haften bleibt
·  Schreibe das, was andere Menschen denken, aber nicht aussprechen
·  Zur Charakterisierung tragen auch bei: Soziale und kulturelle Unterschiede, sowie die Lebenseinstellung

·  Folgende drei Faktoren führen zur Dreidimensionalität einer Figur:

1.      Physiologisch: Aussehen, Alter, Geschlecht, Rasse, Abnormitäten, Körperhaltung, Stimmlage etc.
2.      Soziologisch: Welcher sozialen Schicht gehört die Figur an? In welchem Milieu ist sie aufgewachsen? Politische Ansichten, Schulbesuch, Religion. Was hielten die Eltern oder das Umfeld vom Lebensstil?
3.      Psychologisch: Das Ergebnis der physiologischen und soziologischen Dimension.

·  Wichtig bei den Figuren ist immer die Frage nach dem „Warum“. Warum tun die Leute das, was sie tun?
·  Schreibe eine Biografie für deine Hauptfiguren
·  Vermeide Stereotypen oder brich diese auf.
·  Achte auf eine gute Orchestrierung, d.h. Ein gutes Zusammenspiel der Figuren
·  Schaffe Kontrastfiguren (fleißig – faul; schlau – dumm; etc.)
·  Richtig abgerundete Figuren tragen auch eine Vergangenheit mit sich herum.
·  Kenne die Meinung deiner Figur zu bestimmten Themen.
·  Der Protagonist MUSS willensstark sein, sonst geht alles den Bach runter!!!
·  Die Hauptfiguren müssen brennende Leidenschaften haben, die ihr gesamtes Handeln beeinflussen
·  Schaffe Widersprüche
·  Frage dich immer: Ist das glaubwürdig?
·  Nutze die maximale Kapazität (das Maximum, das für die jeweilige Figur erreichbar ist) deiner Figuren (Sie sprechen durchdacht, benehmen sich nicht töricht, nutzen günstige Gelegenheiten (bestes Anti-Beispiel: Der Idiot auf dem Speicher))
·  Ein kluger Autor legt seinen Figuren immer Hindernisse in den Weg.
·  Lass deine Figuren den „Würde-er-wirklich?“-Test bestehen.
·  Überlege immer, was deine Figuren noch tun könnten, was NOCH einfallsreicher, dramatischer, überraschender, lustiger etc. wäre.
·  Ein Konflikt entsteht, wenn die Wünsche einer Figur auf Widerstand treffen
·  Sorge dafür, dass der Schmelztiegel begründet und logisch bleibt („Warum macht denn der Protagonist nicht einfach das und das? Wie blöde und unlogisch...“
·  Innere Konflikte machen Figuren unvergesslich (Pflicht/Angst; Liebe/Schuld; Ehrgeiz/Gewissen).
·  Zeige, dass für die Figuren etwas auf dem Spiel steht.
·  Konflikte müssen sich entwickeln, sich steigern, dürfen nicht statisch oder sprunghaft sein.
·  Stell dir den Konflikt im Sinne von Angriff und Gegenangriff vor.

Handlung und Konflikt

· Die Sehnsucht ist die treibende Kraft
· In einer gut konstruierten Geschichte sind die Ereignisse kausal miteinander verknüpft. Ereignis B kann nicht stattfinden, wenn Ereignis A nicht stattgefunden hat.
· Behalte immer Ursache und Wirkung im Auge.
· Der Höhepunkt der Geschichte ist meist eine Umkehrung der Dinge.
· Ein sich auflösender Konflikt ist eine Art Aufräumaktion nach der langen Schlacht.
· Jeder Figur liegt eine Prämisse zugrunde.
· Überrasche den Leser.
· Überlege, ob den Figuren Gerechtigkeit widerfährt.
· Schaffe eine Ausgangssituation (Die Ausgangssituation zeigt dem Leser die Welt wie sie ist, bevor sich die Ereignisse entwickeln, die zum zentralen Konflikt führen).
· Der Leser muss am Anfang so schnell wie möglich Sympathie oder Antipathie für den Protagonisten haben.
· Die Wünsche des Protagonisten und des Antagonisten müssen im scharfen Kontrast zueinander stehen à Daraus ergibt sich der Konflikt!
· Die Motivation der handelnden Figuren ihren Konflikt fortzusetzen ist stärker, als davon zu laufen.
· Ein Schmelztiegel ist ein emotionales oder materielles Umfeld, das (zwei) Menschen aneinander kettet (Menschen in einem Rettungsboot; ein fauler und ein fleißiger Geschäftspartner; Eheleute; „Der alte Mann und das Meer“)
· Eine ausweglose Konfliktsituation ist ein hervorragendes Mittel, um die Handlung voranzutreiben
· In jeder Szene sollte sich der emotionale Zustand deiner Figur ändern.

Spannung

· Sei kein Retter in der Not; lass deinen Protagonisten zappeln

· Geeignet, um Spannung zu erzeugen, ist folgendes:

§  Latente Gefahr
§  akute / unmittelbare Gefahr
§  eine unerwünschte Konfrontation

·  Der Akteur darf eine unmittelbar drohende Gefahr nicht überwinden, ohne sich unvermittelt mit einer noch größeren Gefahr konfrontiert zu sehen
·  Die Befürchtungen des Akteurs müssen noch in den Schatten gestellt werden
·  Sei boshaft!
·  In jeder einzelnen Szene sollte es eine Steigerung eines Konfliktes geben.
·  Frage dich bei jeder einzelnen Szene, ob sie nicht der Geschwindigkeitswillen gekürzt werden kann.
·  Überlege, wie jedes einzelne Kapitel so angelegt werden kann, dass es zum Spannungsverlauf des Ganzen beiträgt
·  Scheue dich nicht, unwichtige Szenen zu streichen
·  Vorausdeutungen machen heiß auf das, was kommt. Sie sind eine Art Versprechen.
·  Vorausdeutungen können langweilige Erzählpassagen aufpeppen.
·  Führe den Leser nicht an das Ziel seiner Erwartungen. Sei unvermittelt.
·  Die Zustände, die dem Leser im wahren Leben verhasst sind, bereiten ihm im Buch Freude.
·  Mehrere Handlungsstränge führen zu mehren Spannungslinien, was gut ist/sein kann.

Dialoge

· Reale wörtliche Rede besteht aus Wiederholungen, Abschweifungen, unvollständig oder endlos aneinandergereihten Sätzen, überflüssigen Worten. Die meisten Antworten enthalten ein Echo der Frage.
· Der Dialog ist keine Wiedergabe der realen Rede. Er ist eine Kunstform des Sprechens.
· Der Dialog ist indirekt; Fragen werden nicht direkt beantwortet. (Offene Fragen stellen!)
· Nicht das zählt, was gesagt wird, sondern die Wirkung dessen, was gemeint ist!
· Lass deine Figuren das sagen, was unsereins erst Stunden später als schlagkräftige Antwort einfällt.

· Fragen, die man sich zu seinem Dialog stellen sollte:

§  Worauf zielt der Dialog ab?
§  Leitet er eine Auseinandersetzung ein oder verschärft er einen bestehenden Konflikt?
§  Weckt er die Neugier des Lesers?
§  Erzeugt der Wortwechsel Spannung?
§  Bringt der Dialog einen Höhepunkt; führt er zu einer Wendung der Ereignisse oder der Beziehung (des Protas) zu anderen?

·  Sei darauf bedacht, die Charaktere durch eine spezifische Sprechweise voneinander abzusetzen. Dafür eignen sich sprachliche Erkennungszeichen:

§  beiläufig eingeflochtene Wörter
§  knappe oder ausschweifende Formulierungen
§  Bandwurmsätze
§  sarkastische oder zynische Äußerungen
§  fehlerhafte Grammatik
§  das Auslassen bestimmter Wörter
§  schlampige Aussprache etc.

·  Durch das Weiß, das die Dialoge auf den Seiten (entstehen) lassen, wirkt es, als ginge die Geschichte schneller voran.

·  Frage dich bei JEDER Zeile deines Dialoges:
§  liegt hier ein Konflikt vor?
§  Ist das abgedroschen?
§   Kann das nicht besser indirekt gesagt werden?
§  Ist die Zeile so geistreich und farbig wie möglich?

Show, don’t tell – Zeigen, nicht erzählen

· Es ist uns lieber, ein Ereignis unmittelbar mitzuerleben, als später durch Hörensagen davon zu erfahren.
· Gehe auf Einzelheiten ein, um ein Bild entstehen zu lassen.
· Wenn du Informationen findest, die wie eine Mitteilung des Autors klingen, dann versuche dafür ein Bild oder eine Metapher zu finden.
· Eine Figur erzählt der anderen nie etwas, was diese bereits weiß.

Rückblenden

· Grundsätzlich sollte sich das Geschehen in der erzählenden Literatur im Hier und Jetzt abspielen!
· Leser finden Rückblenden in der Regel unerträglich.
· Die Rückblende, also die vorausgegangene Handlung, MUSS für die Gegenwart relevant sein.
· Jede Szene, die ein Geschehen beschreibt, das sich vor Beginn der eigentlichen Handlung abgespielt hat, ist eine Rückblende.
· Wenn die Rückblende kein erhellendes Licht auf die Geschichte wirft, dann vergiss sie.
· Der Leser muss die Rückblende erleben, nicht erzählt bekommen.
· Der Wechseln in die Rückblende muss unaufdringlich gestaltet sein
· Gleich der erste Satz der Rückblende muss den Leser fesseln, sonst blättert er weiter.
· Vermeide die Worte „hatte“ und „dann“.

Glaubwürdigkeit

· Wenn etwas nicht zu einem Deus-ex-machina werde soll, dann ebne ihm den Weg. Bereite die Dinge vor, damit sie später glaubhaft sind.

Tempo

· Der wahre Könner verlangsamt das Tempo seiner Geschichte, wenn es sein muss.
· Der Leser weiß die Geschichte umso mehr zu schätzen, je mehr sich in seiner Fantasie abspielt.

· Tempo durch:

§  kurze Sätze
§  häufige Absätze
§  scharfe Wortwechsel
§  Überspringen bestimmter Szenen (Nicht beschreiben, was sowieso jeder ahnt und weiß; überlass es der Fantasie des Lesers (Bsp: Bettszenen))
§  harte Schnitte (schnelle Szenenwechsel wie z.B. Verlassen der Wohnung – Schnitt – Sitzen am Schreibtisch im Büro)

Den Text abspecken lassen

·  Überflüssige Worte und Sätze lassen einen Erzähltext schwammig werden
·  (Entferne sämtliche Adjektive und Adverbien und setze nur die notwendigsten wieder ein)
·  Suche und lösche jedes „sehr“ und „ziemlich“
·  Mache dir eine Liste mit all deinen Blähwörtern, die eigentlich gar nichts aussagen, und nach denen du dann deinen Text durchforsten kannst.
·  Ein Adjektiv, das die Neugier des Leser anstachelt, hält die Geschichte in Bewegung
·  1+1=1/2 (Dopplungen, die in ihrer Bedeutung das Selbe meinen). Vermeide das.


Titelwahl

· Ein Romantitel hat die Funktion, das Interesse des Lesers zu wecken.
· Klingt der Titel frisch und originell?
· Verbindet er, wie eine Metapher, zwei Dinge, die normalerweise nicht zusammen gehören?
· Kann man den Namen der Hauptfigur in einen interessanten Rahmen setzen?


Resonanz

· Resonanz ist das, was über allem schwebt; das Omen, das dem Leser im Hinterkopf bleibt; das Element einer tieferen Bedeutung, die über die Bausteine einer Geschichte hinausgeht.
· Resonanz kann man erzeugen durch:
§  Namen
§  religiöse Bezüge („So nennt mich denn Ismael“ (Moby Dick))
§  Beschwörungen von Leben und Tod
§  durch eine kühne Prämisse
§  eine Hyperbel (Übertreibung)
§  Überschriften
§  das Können des Autors
§  geschickter Umgang mit Vergleichen und Metaphern

Prämisse

·  Jede Geschichte sollte eine Prämisse haben. Sie ist der rote Faden.
·  Die Prämisse ist der Grund dafür, dass es deine Geschichte gibt
·  Was willst du mit dem Roman sagen?
·  Die Prämisse gibt der Handlung eine Einheit.
·  Die Prämisse ist wahr und muss in Bezug auf deinen Roman beweisbar sein.
·  Die Prämisse ist eine Feststellung dessen, was mit den Figuren als Ergenis des zentralen Konflikts passiert.
·  Meist ist die Prämisse so aufgebaut: „Dies und das FÜHRT ZU / MACHT AUS das und das (Unnachgiebigkeit führt zu Einsamkeit; Grenzenlose Gier macht glücklich)
·  Die Prämisse muss aus den drei Variablen bestehen: Hauptfigur, Konflikt, Lösung.
·  Wenn ein Teil der Geschichte nicht dazu dient, die Prämisse zu beweisen, sollte er gestrichen werden.

Überarbeitung

·  Die schweren Fälle müssen zuerst behandelt werden
·  Wenn du den Verdacht hast, etwas ist schlecht, dann ist es das auch.
·  Versuche dir einen deiner Akteure außerhalb deiner Geschichte vorzustellen. Wenn das nicht geht, muss die Figur weiter ausgebaut werden.
·  Bevor du den Text überarbeitest, sollte das Problem mit den Figuren gelöst sein
·  Streiche die schwächsten Szenen
·  Spüre alle Aktionen auf, die nur stattfinden, weil die dem Autor in den Kram passen.


Übungen
1.      Stelle einen Fragebogen für deine Figuren zusammen. Einen Bewerbungsbogen für deine Geschichte
2.      Gib deinen Figuren unterschiedliche Drehbücher (siehe Actor’s Studio)
3.      Mache aus einem langweiligen Text einen interessanten


Stelle dir folgende Fragen

Hast du deine Prämisse bewiesen?
Hast du dem Leser die Möglichkeit gegeben, sich mit einer Figur zu identifizieren?
Gibt es Szenen, in denen es sich die sympathischen Personen mit dem Leser verscherzen?
Stehen die Figuren in Oppositionen zueinander?
Nutzen die Figuren ihre Maximalkapazität?
Bestehen sie in allen Situationen den „Würde-er-wirklich?“-Test?
Stecken sie so tief in dem Schmelztiegel, dass sie dem Konflikt nicht ausweichen können?
Sind die Figuren leidenschaftlich?
Hast du stereotype Figuren vermieden?
Wachsen deine Hauptfiguren von einem Pol zum anderen?
Hast du deine Figuren mit sich entwickelnden Konflikten konfrontiert?
Finden die Konflikte eine angemessene Lösung?
Fängt die Geschichte an der richtigen Stelle an?
Bauen die Ereignisse aufeinander auf?
Enthalten Höhepunkt und Lösung eine Überraschung? Sind dabei starke Gefühle mobilisiert worden?
Werden die Figuren gerecht behandelt?
Ist die Erzählperspektive richtig?
Sind alle Rückblenden notwendig?
Ist jede Szene konfliktreich?
Überprüfe jede Dialogszene.


Mein Merkzettel zur Überarbeitung eines Textes


Allgemein

•   Zu bearbeitenden Textabschnitt lesen und auf grobe logische Fehler überprüfen; dabei gilt: Die schweren Fälle zuerst behandeln!:
•   Handeln die Figuren ihrem Charakter entsprechend und logisch, sind ihre Aktionen begründet?
•   Schwache Szenen einfach streichen, wichtige Infos an anderer Stelle unterbringen. Merke: Wenn du den Verdacht hast, etwas ist schlecht, dann ist es das auch!
•   Streiche Erklärungen! Wo spricht der Autor? Raus damit!
•   Streiche fast alles Unwichtige!
•   Sieh, dass du deine gewählte Perspektive beibehältst!
•   Pass auf mit Sätzen, in denen »war«, »hatte«, etc. vorkommt. Deutet meist auf Verbfaulheit oder Passivkonstruktionen hin.
•   Werden über Seiten keine Bilder in deinem Kopf erzeugt, dann läuft was falsch.
•   Und natürlich: Show, don‘t tell!


Einzelheiten

•    Streiche den ersten Absatz (vielleicht eignet sich der zweite besser als Einstieg).
•    Streiche alle Adjektive und Adverbien und überdenke sie. Nutze sie sparsam und gezielt!
•    Überdenke alle Dialogauszeichnungen (»sagte er«, »meinte sie« etc.).
•    Streiche alle Blähwörter.
•    Überdenke indirekte Wahrnehmungen
•    Überdenke Gleichzeitigkeitsanzeiger (während dies und das passierte, geschah jenes)
•    Variier die Satzlängen, damit der Lesefluss interessant bleibt.



Zusammenfassend

Streich alles Unnötige, Erklärende, Langweilige und Unlogische!

Behalt deine Perspektive bei!

Erzeug Bilder im Kopf des Lesers!

Bleib wenn möglich aktiv und direkt!

Zeig, statt zu erzählen!